Rebellen, Merkelistik, Sympathie, Analyse

‘Rebellen’ sind mir oft (nicht immer) – von ihrer Grundhaltung, nicht unbedingt persönlich – sympathischer als die ‘Repräsentanten des Gegebenen’. So sind mir zum Beispiel die u.a. sogenannten Euro-Rebellen, wie auch andere engagierte KritikerInnen von etwas, sympathischer. Sie sind aufrichtig, (ihrer Biographie und sozialen Position folgend) subjektiv idealistisch und kämpfen einen ehrlichen Kampf. Ihr Problem ist nicht die subjektive innere Logik ihrer Argumentationen. Ihr oftmals wackerer Kampf gegen Windmühlen liegt darin begründet, dass ihre Argumente nicht der jeweils aktuellen ’Zeit’ (Meta-Struktur des Zeitgeistes und Grundstruktur der Gesellschaft) entstammen.

Ihre Inhalte finden daher (trotz, besonders in Umbruchphasen, teilweiser Popularität anachronistischer Positionierungen auf Akteursebene) keinen strukturellen Anschluss. Sie sind nicht innerer Ausdruck der heutigen Sozialsituation der Gesellschaft, sondern kritischer äußerer, asynchroner Blick darauf. Zeitlich dabei anachronistisch (z.B. mit idealistischen Erzählungen wie „Es war einmal der klassische Liberalismus“, oder „Es war einmal die nationalstaatliche Ära“) und/oder utopisch (Mit z.B. den Fragestellungen: Es war noch nicht so? Es könnte theoretisch sein? Aber passt es zur Situation der Zeit?).

Bei der Merkelistik (als politisch erfolgreiche Positionierung der letzten ungefähr sechs Jahre) scheint öfters einmal die Logik zu fehlen. Es scheinen innere und gesellschaftliche Widersprüche aufzutreten – oder sind tatsächlich theoretisch und praktisch erfahrbar. Damit entspräche die Merkelistik als flexible Regierungs- und Positionierungsform zumindest formal schon einmal der (vermutlich aktuellen) Umbruchphase der Gesellschaft, mit deren sozial breitenwirksamer Diffusion und sozial-normativer „Unklarheit“ und „Uneindeutigkeit“. Diese und andere Phänomene, die in einem Teil-Aspekt (wohl schon früher und auch heute) unter anderem als ‘Orientierungsverlust’ in Worte gefasst werden.

Ein passives Bekenntnis zur ‘Merkelistik’ (als Positionierungs-Technik, nicht fest gekettet an die jeweils gerade vertretenen Inhalte des ‘Merkelianismus’) könnte (u.a. daher) zur aktuellen Zeit passen. Und, wenn man etwas vorausspekulieren mag: Auch inhaltlich dürfte die Merkel’sche Linie noch ein wenig (zur unklaren Umbruchphase innerhalb der Veränderungszeit der gesellschaftlichen Grundstrukturen) passen. Auf der personellen Ebene der Akteure und Positionsverteilung hingegen scheint “schwarz-gelb” derzeit nicht mehr anpassungsfähig genug zu sein für die Umbrüche des Zeitgeistes. Trotz der inhaltlich (technisch relativ vorbildlich) flexiblen Anführerin wirkt die Gesamtkonstellation nicht mehr anpassungsfähig an die heutige gesellschaftliche Grundsituation, die die Grundstruktur und die Strukturen in den Teilbereichen der Gesellschaft und deren Substrukturen vorgibt. Die Noch-Regierungskoalition seit ihrem Amtsantritt wie ein anachronistisches Überbleibsel der Spätmoderne der 1980er- und 1990er-Jahre. Nach derzeitigem Stand 2013 wird die Politik sich oberflächlich, bzw. nach Lackfarbe und individueller Ämterbesetzung, umgruppieren. Nicht mehr, aber auch – für die betroffenen Individuen – nicht weniger.

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