Rebellen, Merkelistik, Sympathie, Analyse

‘Rebellen’ sind mir oft (nicht immer) – von ihrer Grundhaltung, nicht unbedingt persönlich – sympathischer als die ‘Repräsentanten des Gegebenen’. So sind mir zum Beispiel die u.a. sogenannten Euro-Rebellen, wie auch andere engagierte KritikerInnen von etwas, sympathischer. Sie sind aufrichtig, (ihrer Biographie und sozialen Position folgend) subjektiv idealistisch und kämpfen einen ehrlichen Kampf. Ihr Problem ist nicht die subjektive innere Logik ihrer Argumentationen. Ihr oftmals wackerer Kampf gegen Windmühlen liegt darin begründet, dass ihre Argumente nicht der jeweils aktuellen ’Zeit’ (Meta-Struktur des Zeitgeistes und Grundstruktur der Gesellschaft) entstammen.

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Ungarn: Vorreiter, Konform oder Anachronismus

„Postmoderne“ als Translozierung der vorherigen Grenzziehungen

Die u.a. so benannte Postmoderne verwirrt (u.a.) durch den Zustand, dass theoretisch alle von allen zitieren. Die abstrakten Ideen und nützlichen Phrasen wechseln praktisch hürdenlos BesitzerInnen und Anwendungsbereiche. Das liegt allerdings, wenn an dem etwas Neues ist, nicht an den Worten oder Begriffsgehalten, sondern an gewandelten Sozialstrukturen. Durch die veränderten Kommunikationsstrukturen wird heute (noch) mehr in der Breite kommuniziert, teils (meist in Wiederholungen) debattiert und oft nach sozialen Gruppen getrennt über „die Anderen“ und „das Andere“ monologisiert.

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Von Großbritannien zur Abstraktion

Großbritannien wurde – durch das (derzeit vemutlich) temporäre Nein zu einem EU-Gipfel und zur Linie von „Merkozy“ -  zum zwischenzeitlichen Buhmann der europäischen Medien- und Politik-Elite. Cameron regiert für Großbritannien und muss seine Koalition zusammenhalten. Merkozy repräsentieren die derzeitige EU-Entwicklung, organisieren die Euro-Zone an und halten ihre Koaliton der Willigen („EURO plus“ bzw. eventuell auch mal „EU plus“) in gefühlter Gemeinsamkeit. Jeder hat nun seine von der Situation der Zeit (im jeweiligen Raum – Eurozone hier, Großbritannien da) gestellten Aufgaben. Und die EU bleibt weiter im Umbruch zu einem (langsam aus dem Nebel der Zukunft erscheinenden, derzeit noch nicht näher interpretierbaren, nur informiert-spekulierbaren) neuen, zentraleren Staatsgebilde.

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Oberfläche und Struktur der EU-Veränderung

Alle wissen es in der jetzigen „Krise“ bzw. Umbruchphase der EU “besser“. Ich weiß es leider auch nicht besser. Im sokratischen Sinne weiß ich vielleicht nicht mal das. Aber, ein versuchter ideologischer Agnostiker bzw. „Ungläubiger“, kann mit der größtmöglichen menschlichen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es die anderen auch nicht besser wissen. Daher hier aus der Perspektive des Versuchs einer nüchternen realpolitischen Einschätzung ein Beitrag zur EU-Entwicklung und warum der ideologische Kampf darum zwar teilweise unterhaltsam, aber nicht entscheidend ist:

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Regierungsstil Angela Merkel nach oder vor seiner/ihrer Zeit?

Die „schwarz-gelbe“ Regierung Merkel II kann man so interpretieren, als dass sie kein Profil,etc. hätte. Dies wird unter anderem mit dem Schlagwort „Merkelisierung“ assoziiert. So kann man es formulieren. Aber aus anderen sozialstrukturellen Blickwinkeln und subjektiven Sichtweisen wirkt es auch ganz anders. Gesamtheitlich betrachtet sind auch die strukturgebundenen Entwicklungen der Regierungen Merkel I und Merkel II eine zeitlich-strukturelle Entwicklung und keine böse Absicht.

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Verstaatlichung der Banken

Eine Anmerkung mit sozialstrukturell-’realistischer’ Perspektive

Was bedeutet Verstaatlichung? Eine Frage, die man ausführlich behandeln kann. Hier an dieser Stelle fällt mir, in einer kurzen Assoziation zu dieser Frage, folgende Perspektiv-Variante auf Begriff und Bedeutung ein: Eine Ver-Staatlichung im wörtlichen Sinne ist etwas Abstraktes, eine Vorstellung, so wie es der Staat als Begriff zunächst auch ist. Der Staat als handelndes bzw. sozial wirksames Abstraktum ist eine historisch-spezifische Ausformung sozialer Bedingungen. Eine “Staatswerdung“ von Banken kann damit (in einer Variante des Sozialkonstruktivismus) dann der Fall sein, wenn die Menschen einen Vorgang, bzw. ein daraus folgendes Phänomen (‘staatliche Banken’), als solches rezipieren und kommunizieren. Aus “strukturell-zeitlicher“ Perspektive ist eine Verstaatlichung von Banken oder des gesamten Bankwesens zunächst einmal dann gegeben, wenn die Grundstrukturen sich so geändert haben, dass dieses Phänomen zum Ausdruck der neuen Bedingungen wird.

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Less people less power

Da haben wir eine „große Krise“, und “erwarten uns“ (zumindest angemessen) große Debatten. Und alles, was wir bekommen, ist »Alternativlosigkeit«. Die ‘Rebellen gegen den Geist (und Gang) der Zeit’ können gegen die Strukturgebundenheit menschlicher Phänomene auch nichts strukturelles, und damit „essentielles“ bzw. über die oberflächliche Symbolik hinaus, tun. Aber die zum Scheitern verurteilten Rebellen können einem – wenn man es schafft, der ‘Alternativlosigkeit’ teilweise auch unterhaltsame Seiten abzugewinnen – als symbolisches und theoretisches Angebot helfen, die über die (rhetorisch dauernd wiederholte) Losigkeit der Alternativen ausbrechende Langeweile etwas bunter zu gestalten bzw. gedanklich-abstrakt auf sozialer Unterhaltungsebene zu überwinden.

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Soziale Marktwirtschaft zeitlich und zeitlos

Begriffe und Zeit. Der Begriff ‘Soziale Marktwirtschaft’

„Soziale Marktwirtschaft“. Dieser Begriff wird praktisch sehr flexibel verwendet und subjektiv rational wie emotional unterschiedlich „empfunden“. Als Begriffsbildung aus zwei sehr offenen Begriffen* – sozial bzw. Sozial und Marktwirtschaft – hat er zwar gewisse Grenzen (diese liegen vor allem in der [jeweiligen] subjektiven Interpretation), aber eben auch nicht (aufgrund der Vielfalt der sozial existierenden [inter-subjektiven] Erzählungen bezüglich dieser Begriffe). Unter ‘sozial’ wird (biographisch bedingt) individuell- und gruppen-subjektiv vieles, Gemeinsames und Unterschiedenes, verstanden und empfunden.

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Laissez-faire laissez-passer (les phases des crises)

„Ich habe ja gesagt, was die Zukunft bringt, weiß niemand.“

Zitat von Wolfgang Schäuble als Bundesfinanzminister aus einem Interview mit dem Deutschlandfunk.

Nach meiner punktualistisch-strukturalistischen Interpretation ist der jetzige Bundesfinanzminister in seiner Positionierung ambivalent: Er vertritt derzeit die sozialstrukturelle Rolle des fiskalpolitischen Exekutors und positioniert sich (als Akteur) in dieser Rolle – grob formuliert – zwischen machiavellistischer Postmoderne (inhaltlich) und Merkelscher Konformistik (in der Form).

In der obigen Aussage steckt aber – ungewollt oder gewollt – die (unfreiwillige) ‘Weisheit’ der konstruktiven Gelassenheit des praktischen (nicht ideologisch fundierten) ‘Laissez-Faire’. Dies könnte man als eine der („wenigen oder „vielen“, „großen“ oder „kleinen“, „etc.“) ‘Stärken’ (Vorzüge, Hobbies, kleineres Übel, Alternativlosigkeiten, etc.) der derzeitigen Übergangskoalition subjektiv interpretieren und (rekonstruktiv) (nach-)erzählen.

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Auch Wahlergebnisse sind Ausdruck der Zeit(en)

Seit März 2011 hat die FDP bei sechs Landtagswahlen massiv an Prozenten in der Proporz-Verteilung (strukturell und akteurbezogen) verloren. Nach vier dieser Wahlen mussten alle dortigen bisherigen Landes-Abgeordneten der Partei ihre sozialöffentlichen Positionen räumen und aus dem Landtag ziehen. Die relativ geringen bis marginalen Umfragewerte werden medial seit Monaten genüsslich verwertet. Dabei ist der FDP immerhin derzeit die Rolle des Feindbildes (noch) nicht abzusprechen. So lange sie noch politisch-öffentlich präsent ist. Derzeit würden die Freidemokraten aber die Fünf-Prozent-Hürde bei vielen möglichen Wahlen nicht einmal knapp erreichen.

Zur Position und Rolle der FDP in der derzeitigen gesellschaftlichen Situation folgende Einschätzung meinerseits, auf Basis meiner punktualistisch-strukturalistischen Interpretationsheuristik

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